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Archive for 27 julio 2016

Reinhart Koselleck´s civil war (extract from his book “Critique and crisis”) // Reinhart Kosellecks Bürgerkrieg (Auszug aus seinem Buch “Kritik und Krise”)

<<Civil war, under whose rule, we are still living today, was indeed recognized but it was downplayed through a philosophy of history for which the intended political decision was only represented by the end of a foreseeable and inevitable moral, supra-political process. Yet this downplaying amounted precisely to an aggravation of the crisis. The postulate of the bourgeois contenders derived from a dualistic worldview: the moralization of politics represented all the more an unleashing of civil war as the upheaval, the “Revolution”, was not seen as a civil war but as the fulfillment of a moral postulate. Concealment and aggravation of the crisis are one and the same process. Concealment implies aggravation and vice versa” >>

<< Der Bügerkrieg, unter dessen Gesetz wir heute noch leben, wurde zwar erkannt, aber verharmlost durch eine Geschichtsphilosphie, für die die intendierte politische Entscheidung nur das absehbare und zwangsläufige Ende darstellte eines überpolitischen moralischen Prozesses. In der Verharmlosung aber lag gerade die Verschärfung der Krise. Das aus einem dualistischen Weltbild hearus konzipierte Postulat der bürgerlichen Streiter: die Moralisierung der Politik war um so mehr eine Entfesselung des Bürgerkrieges als in dem Umsturz, in der “Revolution”, gerade kein Bürgerkrieg erblickt wurde, sondern eben die Erfüllung moralischer Postulate. Verdeckung und Verschärfung der Krise sind ein und derselbe Vorgang. In der Verdeckung liegt gerade die Verschärfung und umgekehrt.>>

Reinhart Koselleck´s Enlightenment ( extract from an 2003 held interview ) // Reinhart Kosellecks “Aufklärung” ( Auszug aus einem in 2003 geführten Gespräch)

Question: “The Enlightenment”, this basic term of Europe, polemically referred to as the “old” continent, is nowhere to be seen in the disputes taking place in the public sphere and has headed back to the seminars. Do you regret it?

Answer: That is, one way or the other, an unusual way of speaking. “The Enlightenment” is either a historic phenomenon that, correspondingly, only appears in the German linguistic usage around 1780. Before, the concept didn´t even exist and thereafter turned very quickly into the concept of “Bildung” since “Bildung” is Self-enlightenment, Self-upbringing, Self-education, Self-control. What “The Enlightenment” claims to – the “coming -of- age” of the individual- is fulfilled in the concept of “Bildung”. In the course of the German language and according to its self-perception, the “apostles” of the concept of “Bildung”, the romantics, the classical authors, the poets, the philosophers as well as the economists, were all proponents of the Enlightenment. This is the concept of “Bildung”, which in our country utterly fulfilled the concept of the “The Enlightenment´s” legacy without relinquishing its postulates. The concept of “The Enlightenment” came under criticism because it was conceived as rationalistic, devoid of any emotional power and that sort of thing -Thus far, the concept of “The Enlightenment”. The concept of “The Enlightenment” that the students in 1968 so emphatically brought up again was essentially an emancipatory postulate  for the classes, the peoples, the genders, a postulate that was already made explicit in the 18th century but hardly ever empirically fulfilled. The equal rights in love relationships, for instance, was a postulate that originated between 1800 and 1820 within the middle-class intellectuals and that, apart from French forerunners, was to be found in the texts of Friedrich Schlegel or Schleiermacher. These romantic postulates could now become reality for the first time. The gender equality of status and the coming of age in the sense of an emancipatory self-determination played a big role in the so called student revolts, yet they were still the fulfillment of earlier postulates. Behind all that lies the actual problem that “The Enlightenment” can also have a systematic significance and can be “anti-historically” thought. “The Enlightenment” can then be found among the Greeks, in the Middle-Ages, in the early 19th century and so forth. That is, “The Enlightenment” turns thus into a formal determination, under which determinable contents can be repeated. In my opinion the concept of “Emancipation” belongs also here. “Emancipation” was a legal concept among the Romans. It comprised the recognition of those to whom the “emancipation” was accorded and in this way became independent citizens, something that was not within everybody´s reach because the society was still a patriarchal one. However the “emancipation” was a legal act entailing a declaration of maturity that could be repeated from generation to generation. To think that one has come of age once and for all presupposes a fictional subject of humanity. But humanity is no subject, it is a referential determination and it turns out that the “Emancipation” needs to repeat itself, to the surprise of those who believe to have become emancipated. This is what we can see now once again. He, who wants to establish “Emancipation” on a permanent basis has to acknowledge that he can never emancipate himself perfectly and that he must always strive for new forms of liberation and redemption in order to free himself from existing constraints, which does not mean that new constraints will not arise. There is here a compensatory rule and we are not emancipated once and for all.

Frage: “Aufklärung”, diese Grundvokabel eines Europa, das heute polemisch das “alte” gennant wird, ist aus den Disputen der Öffentlichkeit verschwunden und in die Seminare zurückgekehrt. Bedauern Sie das?

Antwort: Das ist sowieso ein eigentümlicher Sprachgebrauch. Die Aufklärung ist entweder eine historische Erscheinung, dann existiert sie im deutschen Sprachgebrauch überhaupt erst seit 1780. Vorher gab es den Begriff gar nicht und er hat sich dann sehr schnell in den Bildungsbegriff transformiert. Denn “Bildung” ist Selbstaufklärung, Selbsterziehung, Selbstkontrolle. Was die Aufklärung forderte-mündig zu werden- ist im Bildungsbegriff eingelöst. Im deutschen Sprachablauf und ihrer Selbstwahrnehmung nach sind die Bildungsapostel der Romantiker, Klassiker, der Dichter, der Philosophen wie auch der Ökonomen Aufklärer. Das ist der Bildungsbegriff, der bei uns die Erbfolge des Aufklärungsbefgriffs völlig ausgefüllt hat, ohne Verzicht auf Aukflärungspostulate zu leisten. Der Aufklärungsbegriff geriet in Kritik, weil er als rationalistisch, bar jeder emotionalen Potenz und dergleichen definiert worden ist.- Soweit der historiche Aufklärungsbegriff. Der nach 1968 von den Studenten wieder aufgebrachte grosse emphatische Aufklärungsbegriff ist im Grunde ein Emanzipationspostulat, ein Gleichberechtigungspostulat für die Klassen, für die Völker, für die Geschlechter- Postulate, die im 18 Jahrhundert schon ausgesprochen waren, sich aber empirisch kaum einlösen lieBen.Die Gleichberechtigung in der Liebesbeziehung zum Beispiel ist ein Postulat, das zwischen 1800 und 1820 im Bildungsbürgertum entstand, das sich mit französichem Vorlauf in den Texten von Friedrich Schlegel oder Schleiermacher wiederfand. Diese romantischen Postulate konnten jetzt zum ersten Mal in die Wirklichkeit überführt werden. Die geschichtliche Gleichberechtigung und die Mündigkeit im Sinne der emanzipatorischen Selbstbestimmung spielte eine grosse Rolle in der sogennanten Studentenrevolte, aber das ist noch eine Einlösung vorausgegangener Postulate.- Dahinter steht die eigentliche Problematik, dass Aufklärung auch einen systematischen Stellenwert haben und anti-historisch gedacht werden kann. Dann findet man die Aufklärung bei den Griechen, die Aufklärung im Mittelalter, die Aufklärung im frühen 19 Jahrhundert und so weiter. Das heiBt, dann wird sie zu einer formalen Bestimmung, unter der sich bestimmbare Inhalte wiederholen lassen. Dahin gehört meiner Auffassung nach auch der Emanzipationsbegriff. “Emanzipation” war bei den Römern ein juristischer Begriff und beinhaltete die Anerkennung derer, denen die “emancipation” erteilt wurde und die so zu selbständigen Bürgern werden konnten; was nicht allen möglich war, denn man befand sich noch in einer patriarchalischen Gesellschaft. Aber die “emancipatio” war ein Rechtsakt der Mündigerklärung, der von Generation zu Generation wiederholt werden konnte. Zu glauben, dass man ein für allemal mündig sei, setzt ein fiktives Menschheitssubjekt voraus. Aber die Menschheit ist kein Subjekt, nur eine Referenzbestimmung, und es stellt sich heraus dass die Emanzipation sich immer wiederholen muss, zur Überraschung derer, die sich emanzipiert glauben. Das ist es, was sich jetzt wieder einmal zeigt. Wer Emanzipation auf Dauer stellen will, muss anerkennen, dass man nie perfekt emanizipiert sein kann, sondern immer neue Formen der Befreiung und Ablösung anstreben muss, um sich von bestehenden Zwängen zu lösen, was nicht heiBt, dass nicht neue Zwänge entstehen. Da gibt es eine kompesatorische Regel, man ist nicht ein für alle mal emanzipiert.

Two takes on Brexit: Roger Scruton and Niall Ferguson. I subscribe to Mr. Ferguson´s