Die geächtete Empörung

Der folgende Text ist eine Übersetzung ins Deutsche eines in der Zeitung “El País”  unter dem Titel ” La indignación proscrita” am  08/02/2013 veröffentlichen Artikels von dem spanischen Schriftsteller Fernando Savater

http://elpais.com/elpais/2013/02/06/opinion/1360179488_252099.html

Für die Übersetzungsfehler entschuldige ich mich im Voraus.

Das Gefühl der Empörung geniesst im heutigen Spanien einen guten Ruf und weckt groβe Sympathie. Ich beziehe mich nicht nur auf “Die Empörten” der 15-M Bewegung, von denen ich nur noch mit einer Mischung von Bewunderung und Sehnsucht sprechen höre: es ist schon klar , dass sie die Würze des Lebens sind- oder vielleicht waren. Aber die Welle der Empörung geht darüber hinaus und die schäbige Politik die heutzutage in Spanien betrieben wird, bietet mehrere Möglichkeiten um jene zu verewigen. Als Beispiel dafür kann wohl die Tatsache gelten, dass kaum zwei Stunden nach der Veröffentlichung in dieser Zeitung von der dem zweifelhaften Herrn Bárcenas*

*Herr Bárcenas war Schatzmeister der Partido Popular (Volkspartei), der rechtsorientierten, in Spanien mit einem absoluten Mehrheit heute regierenden Partei.

beigemessenen, heimlichen und angeblich eigenhändig geschriebenen Buchhaltung der regierenden Volkspartei (Partido Popular), konnte man schon im Internet Leute finden, die den Rücktritt der ganzen Führungsspitze dieser Partei hektisch abverlangten. “Wofür denn mehr Untersuchungen, wofür die Unschuldsvermutung und den ganzen Kram, alle raus oder eher, alle ins Knast!” Und man kann nicht umhin, all diese Aufregung zu verstehen: sowohl die der  durch den Vorzugsaktien Geschädigten als auch die der Arbeiter der bedrohten öffentlichen Gesundheitswesen ebenso wie die der Benutzer von den geschlossenen Notaufnahmen, ganz zu schweigen von der Aufregung derjenigen, die vor dem Schrumpfen der Ausbildungsausgaben verabscheuen, ein Schrumpfen, das man mit den Schrumpfköpfen  der Jibaros  vergleichen kann.

Man kann mehr oder weniger die Einzelheiten dieser Unzufriedenheitsäusserungen teilen, im Allgemeinen wecken sie  Zuneigung oder gar offene Sympathie. Wie konnte anders sein, in Anbetracht der wirtschaftlichen Lage und der Geldmengen , deren sie sich bemächtigt haben¡ Es gibt dennoch eine bestimmte Empörung,  eine einzelne zumindest, vielleicht nur noch diese einzelne, die bei der progressistischen Öffentlichkeit mehr Misstrauen als Zuneigung hervorrruft. Ich beziehe mich auf die Empörung von den Opfern des Eta-Terrorismus. Ihre mehr oder weniger barschen Proteste, ihre Meinungsverschiedenheiten gegenüber der von den Parteien und Institutionen betreibenden Politik hinsichtlich der Gefangenen der Terrorgruppe oder deren politischen Erben werden bestenfalls mit Äusserungen des Unbehagens schlimmstenfalls mit denen eines offenen Widerwilles empfangen.

Die zum Mitleid geneigten Seelen rechnen die Empörung der Opfer  der Tatsache an, dass ihre Gefühle manipuliert werden. Es scheint als ob es sich hier um die Verschwörung der Juden und der Freimaurer von jeher handeln würde und die Opfer sich leichter als andere “Empörten” manipulieren lassen. Die angriffslustigeren Seelen sind etwas roher und enthalten sich nicht davon , die Opfer als “rachesüchtige” zu bezeichnen und sie beschweren sich laut darüber, dass die Opfer  den Friedensakteuren Steine in den Weg legen. Na, ja, der Frieden! Frei nach Madame Roland, welche Verbrechen vergisst man in deinem Namen!

Man kann leztzten Endes- egal ob man sie teilt oder nicht- die Gründe zur Empörung der Opfer des Terrors mit denen gleichsetzen, die jene Leute anführen , die sich selbst mit einer entschuldbaren Selbstnachsicht Progressist nennen. Die Mehrheit der Opfer ärgern sich wenn sie sehen, dass eine politische Partei, deren Mitglieder stets die Eta unterstützt, alle anti-Terror-Massnahmen  (vom Parteiengesetz bis zu  den letzten Verhaftungen von bewaffneten Aktivisten) abgelehnt haben und zudem die politischen Ziele der Terror-Gruppe noch teilen und, wenngleich sie  ihren Verzicht auf Gewalt jetzt erklären, deren Ausübung in der Vergangenheit niemals verworfen haben, von den spanischen Behörden zugelassen wurde.

Haben die Terroristen eingestanden, dass sie Schäden in der Vergangenheit verursacht haben? Komm schon…Die Terroristen sind sich vollkommen dessen bewusst, dass sie eben gerade ,um Schäden zu verursachen, zu Terroristen geworden sind. Sie bringen diese Schäden in Zusammenhang mit einem breiteren Konklikt für den sie nicht verantwortlich sind und aufgrund dessen ebenso viel wie die anderen gelitten haben.  Ist der Ärger der Opfer dann ein Zug ihrer Unnachgiebigkeit? Stellen wir uns vor, dass wir, anstatt über terroristische Verbrechen zu sprechen, über Korruptionstraftaten sprächen, über eine Partei die in der Vergangenheit solche Korruptionstraftaten rechtfertigt hat und die in der Gegenwart sich verweigert sie zu verwerfen und  ausserdem die Straftäter aufnimmt und sie mit der Ausrede entschuldigt, dass die ehemaligen Umstände sie zur Gewalt geführt haben, obwohl-unvermeidlich, klar- sie  von nun an nie wieder in den alten Gewohnheiten zu verfallen versprechen. Würde es uns  verwundern, dass dies alles die Empörung von vielen wecken würde, vor allem die Empörung von den von solchen Diebstählen schwer Betroffenen?

Die Empörung der Opfer des Eta-Terrorismus wird hingegen mit Unbehagen oder offenem Widerwille angesehen.

Die Opfer empören sich auch darüber, dass die Versuche ein offizielles Gedächtnis an das Geschehen der letzten Jahrzehnten aufzubauen eine Art allgemeiner Verwirrung mit sich bringt, in der sich der Terrorismus mitsamt anderen vermeintlichen Gewalttätigkeiten aus dem ganzen politischen Spektrum aufzulösen versucht. Man sollte aber diesbetreffend manche Fragen den Historikern überlassen  anstatt eine einzige Wahrheit zu suchen , die alle Betroffenen zu befriedigen sucht. Wie Tony Judt sagt: “ Das eigentliche Problem ist dass wenn irgendeine Gemeinschaft “das Erzählen der Wahrheit” unternimmt, pflegt sie nicht nur ihr eigenes Leiden hervorzuheben sondern auch das Leiden der anderen herunterzuspielen.”

Mittlerweile, in Erwartung des Urteils oder der Urteile der Geschichte, besteht immer noch das Bedürfnis des friedlichen Zusammenlebens und die besten Stützpunkte um es zu gewährleisten sind einerseits die Achtung der Gesetze und andererseits  die wirksame Anwendung des Rechts. Die Opfer haben Gründe zu vermuten, dass man die Absicht hat, sie dieses Ausgleichs zu berauben: das Parlament des Baskenlandes hat eben den  Antrag an das entsprechende Ministeramt auf eine rasche Untersuchung der 326 noch zu lösenden Morde von Eta  abgelehnt- mit den Stimmen von der Pnv (Baskische Nationalistische Partei), Pse ( Sozialistische Partei des Baskenlandes) und Eh -Bildu (die vor weniger Zeit zugelassene Fraktion der Befürworter der Eta). Für die Vertreter dieser Parteien wird diese Mahnung an die Exekutive, sich dringend mit den ausstehenden polizeilichen Untersuchungen zu befassen, ausgerechnet jetzt, wo es keine mehr Gewalt gibt, keinen postiven Beitrag leisten… Stellen Sie sich vor, dass etwas Ähnliches gegenüber den noch zu lösenden Korruptionsfällen gesagt wurde, Korruptionsfällen, die trotz ihrer Tatschwere, im Vergleich zu terroristischen Angriffen und Morden weniger schwer sind. Würden die  Empörten dann stumm bleiben? Die aufgeregten Proteste in Bezug auf die Benennung von Herrn Jonan Fernández*

*Herr Fernández ist jüngst General Sekretär für Förderung des Friedens und friedlichen Zusammenlebens von den baskischen Regierung ernannt worden und war Ende der Achtziger im Gemeinderat der Stadt Tolosa als Mitglied der damaligen  ETA- nahen Partei Herri Batasuna.

sind aus diesem Zusammenhang heraus zu erklären. Ohne seine Absichten vorschnell zu beurteilen ist es eine Tatsache, dass er nie klar gemacht hat,  dass sich die Terroristen  nicht mit ihren Opfern versöhnen müssen- eine Sache die zwar wünschenswert ist aber die zum subjektiven Bereich gehört-sondern mit der demokratischen Obtektivität der Gesetze und ihre Urteile. Das Misstrauen, das er weckt, wird aus diesem Grund begreifbar.

Wenn es schon unanständig ist, die wirtschaftliche Korruption mit dem Argument , dass jeder darin verwickelt ist, zuzulassen, noch unanständiger ist es, Blutaten in den Papierkorb wandern zu lassen.

Darüber hinaus sollte man das Thema der Gefangenen nicht ausser Acht lassen, Gefangenen die wegen terroristischen Straftaten verurteilt wurden. Ich weiss nicht ob es- wie manche einseitigen Klatschmaule zu verstehen geben- Opfer gibt, die das Recht der Gefangenen auf  Resozialisierung in Frage stellen. Was auf jeden Fall klar ist, ist die Tatsache, dass die E.T.A. diese Resozialisierung nicht will. Es ist genau die Treuheit der Gefangenen auf die Befehlen der Terrorgruppe (Befehlen, die ihnen wahrscheinlich von manchen Rechtsanwälten, die heute Abgeordnete zu werden imstande sind, weitergeleitet werden) was ihnen schwer macht,individuelle Strafmilderungen zu erreichen. Die E.T.A. beabsichtigt, sich auf ihrer Kosten zu resozialisieren.Was immer sie auch erreichen mögen, sollen sie als Bataillon und dank ihrer kriegerischen Verdienste erreichen. Es war gerade das, was die in Bilbao stattgefundene Demonstration, die von der gegenwärtigen Version von Batasuna (der Name des vorigen Fraktion der Berfürworten der E.T.A.) organisiert und von allgemein bekannten Vertretern des spanischen Retroprogressismus unterstützt wurde- gefordert wurde. Sie nahm für sich in Anspruch zwar den Kollektiv der Gefangenen als einen festen Block ohne Risse zugunsten des Terrorismus zu vertreten aber nicht ihre Rechte als Sträflinge, die eben von denen verletzt wurden, die sie manipulieren,. Zu allem Überfluss wurden diejenigen, die sich solcher Verherrlichung von Gewalt widersetzen, in jener Demonstration als “Feinde des Friedens” bezeichnet.

Die Opfer des Terrorismus- die, allerdings nicht alle gleich denken- können sich  selbsverständlich, wie jedermann, täuschen. Was man Ihnen aber nicht versagen kann ist ihr Recht sich zu empören wie andere Kollektive die sich schlecht behandelt fühlen. Wenn es schon unanständig ist, die wirtschaftliche Korruption mit dem Argument , dass  jeder darin verwickelt ist, zuzulassen, noch unanständiger ist es sich mit einer moralischen Korruption abzufinden, die darauf zielt, unter  dem Motto “Es geht alles solange sie nicht wieder töten” Bluttaten in den Papierkorb wandern zu lassen . Oder sind wir der Meinung, dass das Land zugrundegeht, wenn man bei öffentlichen Diebstählen ein Auge zudrückt , während es sich auf dem Weg nach dem Frieden geht, wenn man die Befürwörter und die politischen Nutzniesser der Gewalt belohnt?

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